· 

Umzug mit Hund - was wir als Hundehalter beachten sollten

 

Die meisten von uns ziehen in ihrem Leben einmal um. Manche auch öfter. Ein Umzug kann etwas sehr Schönes sein. Ein neuer Lebensabschnitt fängt an, wir starten an einem anderen, fremden Ort noch einmal neu. Aber mit jedem Umzug ist auch immer viel Stress und Aufregung verbunden. Dies beginnt bereits lange vor dem eigentlichen Umzugstermin und endet häufig erst, wenn der letzte Karton ausgepackt ist. Für uns heißt es dann, unseren Alltag wieder neu zu organisieren, die neue Umgebung zu erkunden, neue Menschen kennen zu lernen und uns in den neuen vier Wänden erst einmal wieder zurecht zu finden.

 

All das verlangt bereits uns sehr viel ab, doch was ist mit unseren Hunden?

 

Ihnen geht es nicht anders. Hunde sind sehr sensible Wesen, die auch die kleinsten Veränderungen ihres Halters bemerken. Ein Umzug kann somit für den ein oder anderen Hund etwas Beängstigendes sein.

 

Doch was können wir tun, damit auch unsere tierischen Begleiter den Umzug gut überstehen?

 

Hier ein paar Tipps, wie Hundehalter den Umzug für ihre Fellnasen stressfreier gestalten können:

 

1. Machen Sie das Einpacken zum Spiel

 

Bereits einige Wochen/Tage vor dem eigentlichen Umzugstermin müssen Kisten gepackt werden. Die Tatsache, dass vertraute Gegenstände weggepackt werden und sich die wohnliche Umgebung zunehmend verändert, sorgt oft für große Verwirrung bei Hunden. Besonders Hunde, die auf eine stabile Umgebung und einen geregelten Tagesablauf angewiesen sind, wie manch ein traumatisierter oder unsicherer Hund, können bereits zu diesem Zeitpunkt verstärkt Verhaltensauffälligkeiten oder Stressanzeichen zeigen.

 

Wichtig ist nun, den Hund langsam an diese Situation heranzuführen. Hierfür können wir einen Umzugskarton zum Tricktraining verwenden.

 

Je nach Hunderasse und Trainingslevel, bringen wir mit viel Lob und positiver Bestärkung unserem Hund bei, dass dieser Karton keine Gefahr für ihn darstellt.

 

Bei der Auswahl des neuen Tricks darf der Hundehalter kreativ sein. Hier ein paar Beispiele, was unser Hund mit dem Karton so alles machen könnte:

 

-      den Umzugskarton mit Nase/Pfote anstupsen (Targettraining)

-      um die Kiste herumlaufen

-      in den Karton springen

-      sich in den Karton legen

-      ein Spielzeug aus dem Karton herausholen

-      ein Spielzeug in den Karton einräumen

-      einen Gegenstand bringen, damit der Halter diesen einpacken kann

 

Genauso kann auch das Auspacken im neuen Heim gemeinsam mit Ihrem Hund aussehen. Kleine Trickübungen zwischendurch freuen nicht nur unsere Vierbeiner, sondern erfreuen und entspannen auch uns als Halter.

 

2. Planen Sie kleine Zeitfenster nur für Ihren Hund

 

Während eines Umzugs gibt es neben dem Einpacken viel zu bedenken und zu planen. Da fällt es uns schon schwer, unseren täglichen Alltag zu bewältigen und es wird oft schwierig, uns die Zeit, die wir sonst immer mit unserem Vierbeiner verbringen, frei zu nehmen. Doch gerade während dieser, nicht immer geregelten Tagesabläufen, sollten wir uns ab und zu ganz bewusst Zeitfenster einräumen, in denen wir unsere volle Aufmerksamkeit auf unseren Hund richten. Die Gestaltung dieser Zeitfenster liegt individuell bei jedem Hund-Halter-Team. Von Spielen, über Tricktraining, spannende Spaziergänge oder eine ausgiebige Schmuserunde – wählen Sie am besten eine Aktion, die Sie beide gerne zusammen machen. Dies ersetzt zwar nicht die täglichen Spaziergänge und anderen Bedürfnisse unserer Hunde, aber so können wir ihnen das Gefühl geben, dass trotz der laufenden Veränderungen um uns herum die Bindung im sozialen Verband weiter besteht. Mit jedem kurzen Zeitfenster, das wir bewusst mit unseren Hunden verbringen, wird immer auch die Bindung zwischen Hund und Halter gestärkt.

 

3. Lassen Sie Ihren Hund, wenn möglich, am Tag des Umzugs fremd betreuen

 

Alle Gegenstände sind eingepackt, die Möbel zur Abholung bereit gemacht. Jetzt ist es bald so weit. Der Umzugstag rückt näher. Dieser Tag ist meist der anstrengendste und hektischste Tag während des ganzen Umzugs. Der LKW steht bereit, viele Menschen gehen ein und aus und tragen die Kisten und Möbel aus der Wohnung/Haus. Für unsere Hunde ist dies ein Horrortag. Alle Menschen laufen an ihnen vorbei, schieben sie zur Seite oder sie müssen in einem bereits leeren Zimmer warten und verfolgen die aufgeregten Schritte und Stimmen der vielen Helfer, oft begleitet unsere Hunde jetzt eine innere Verlustangst. Kommt Frauchen/Herrchen wieder? Werde ich allein zurückgelassen oder vergessen?

Zeit und Aufmerksamkeit für unseren Vierbeiner sind an diesem Tag auch sehr begrenzt.

 

Um Ihrem Hund diesen Stress und möglicherweise auch die empfundene Verlustangst zu ersparen, kümmern Sie sich rechtszeitig vor dem Umzugstermin um einen geeigneten Betreuungsplatz für diesen Tag. Hier helfen häufig gerne Freunde und Familie, falls nicht, suchen Sie sich einen passenden Hundesitter. Die Kosten sind es in jedem Fall wert.

 

So kann Ihr Hund einen weitgehend stressfreien Tag verbringen; er bekommt Beschäftigung, Auslastung und Spaziergänge und freut sich, wenn Sie Ihn wieder abholen kommen, sobald der schlimmste Stress vorbei ist.

 

4. Das neue Heim gemeinsam erkunden

 

Irgendwann ist dann schließlich der Zeitpunkt gekommen, an dem auch unser Hund das neue zu Hause begutachten darf. Wichtig ist hier, dass Sie die erste „Führung“ gemeinsam mit Ihrem Hund machen. Zeigen Sie Ihrem Vierbeiner alle für Ihn zugänglichen Räume. Hierbei ist ausgiebiges Schnüffeln ausdrücklich erwünscht. Räume, die für Ihren Liebling tabu sein sollen, werden nur kurz gezeigt. Ein Garten wird am besten erstmal an der Leine erkundet. Gerade territorial veranlagte Hunde lernen auf diese Weise gleich, dass Sie als Halter auch im Garten „das Sagen“ haben.

 

Wichtig für Ihren Hund sind seine Schlafplätze/Rückzugsorte, sein Futterplatz und wo sein Wassernapf steht. Diese für Ihren Hund gewohnten Gegenstände sollten im Vorfeld in die neuen Räume gebracht worden sein.

 

Ein kurzes Spiel mit dem Lieblingsspielzeug in den neuen vier Wänden hilft Ihrem Vierbeiner Stress abzubauen und sich gleich wohl zu fühlen.

 

5. Geben Sie Ihrem Hund Zeit, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen

 

In den ersten Tagen sollten Sie Ihrem Hund die Möglichkeit geben, alles ganz in Ruhe zu erkunden. Genauso wie wir selbst, müssen sich auch unsere Hunde an die fremden Gerüche und die neue Umgebung langsam gewöhnen und anpassen. Das braucht Zeit und funktioniert nicht von heute auf morgen. Vielleicht ist Ihr Hund jetzt anhänglicher, ängstlicher, eventuell bellt er mehr oder frisst sogar etwas schlechter. All das sind Anzeichen dafür, dass Ihr Hund für die Umstellung noch ein wenig mehr Zeit braucht. Haben Sie Geduld mit ihm, nehmen Sie sich in den ersten Wochen mehr Zeit für Ihren Liebling. Spielen oder Kuscheln Sie viel mit ihm und unternehmen Sie gemeinsame Erkundungsspaziergänge in die nahe Umgebung. So wird das Fremde langsam und spielerisch zum Vertrauten.

 

6. Formelles und Organisatorisches nicht vergessen

 

An alles muss beim Umzug gedacht werden. Telefonanschluss kündigen, Nachsendeantrag stellen, Auto ummelden. Da vergisst so manch ein Hundehalter schon mal, seinen Hund bei der Gemeinde abzumelden und in der neuen Gemeinde wieder anzumelden.

Genauso wichtig ist es auch, sich im Vorfeld über Tierärzte am neuen Wohnort, evtl. Tierkliniken für den Notfall und Tierfachgeschäfte zu informieren.

Eine kurze Erkundigung bei der Gemeinde über die dortigen Hundeverordnungen kann einem bereits im Vorfeld unangenehme Situationen ersparen.

 

 

Hunde sind Rudeltiere und leben mit uns in einem sozialen Verband. Daher sind sie sehr eng an uns, als Halter, gebunden. Gewöhnlich verkraften Hunde einen Umzug gut, denn das Wichtigste für sie ist unsere Anwesenheit. Wir müssen unserem Hund an den stressigen Umzugstagen Halt geben und ihm in der neuen Umgebung Sicherheit bieten. Am besten klappt dies, wenn wir uns selbst so verhalten, als sei der ganze Umzug völlig „normal“ und nichts Besonderes. Dass dies nicht immer einfach ist, ist klar, aber wenn wir uns in ein paar ausgewählten Momenten daran erinnern und uns dann Zeit für unseren Liebling nehmen, kann nicht mehr viel schief gehen.

 

Sollten sich bei Ihrem Hund auch nach mehreren Wochen nach dem Umzug Verhaltensauffälligkeiten zeigen, wenden Sie sich an einen professionellen Verhaltenstherapeuten. Krankheitssymptome, wie Durchfall, Appetitlosigkeit oder Erbrechen bitte immer als erstes von einem Tierarzt abklären lassen. Können pathologische Ursachen ausgeschlossen werden, kann Ihnen auch hier ein guter Verhaltenstherapeut weiterhelfen.

Blogverzeichnis

Kommentar schreiben

Kommentare: 0