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Hilfe, mein Hund jagt

Ein Waldspaziergang an einem sonnigen Tag kann etwas sehr Entspannendes sein, wenn da nicht die Waldbewohner wären.

Rehe, Hasen, Eichhörnchen – überall hinterlassen sie ihre Spuren. 

 

Für Menschen sind all diese Tiere meist unsichtbar, doch dem ausgeprägten Geruchssinn und dem unglaublich feinen Gehör eines Hundes entgeht nichts.

 

Kaum betreten sie den Waldweg geht es los. Die Schnauze eines sonst so ruhigen Vierbeiners klebt förmlich am Boden fest und er hört sich an, wie ein Staubsauger auf höchster Saugstufe. Sollten Sie nun auch noch vergessen haben ihn an die Leine zu nehmen, kann es passieren, dass Ihr Hund schneller im Gebüsch verschwindet, als Sie auch nur seinen Namen aussprechen können. Da hilft kein nachträgliches Rufen oder Pfeifen. Ihr Hund befindet sich jetzt im Jagdmodus.

 

Der Jagdmodus

  

Jagdliche Instinkte besitzt jeder Hund, jedoch sind diese Triebe bei Jagdhunderassen deutlich stärker ausgeprägt. Die vielen Mischlingsrassen unter den Hunden lassen oft nur schwer erkennen, ob Jagdhundeblut in ihnen steckt oder nicht. Und so überrascht es immer wieder viele Hundehalter, wenn Ihr Hund plötzlich jagen geht.

 

Einmal den Dopamin-Rausch des Jagens erlebt, steigt die Wahrscheinlichkeit enorm an, dass Ihr Hund dieses Verhalten in Zukunft häufiger zeigen wird. Dabei ist nicht wichtig, ob Ihr Hund auch wirklich Beute machen konnte oder nicht.

 

Dopamin ist nur eines der Hormone, die den Hund beim Jagdverhalten in eine Art Rauschzustand versetzen, extrem selbstbelohnend wirken und unter bestimmten Bedingungen auch süchtig machen können.

 

So ist es auch nachvollziehbar, warum Ihr Hund in dieser Situation nicht mehr auf den Rückruf oder ähnliches reagieren kann. Die Fokussierung auf das Jagen steht an erster Stelle und ist so intensiv, dass alles andere, sogar Schmerzen, kurzzeitig ausgeschaltet werden.

Ablauf des Jagdverhaltens
Ablauf des Jagdverhaltens

Das Antijagd-Training

 

Unter Antijagd-Training verstehen leider immer noch viele Hundehalter ein Abgewöhnen des Jagdtriebes ihres Hundes. Diese Erwartung ist aber schlichtweg falsch. 

 

Im Antijagd-Training geht es darum, den Hund durch alternative Möglichkeiten jagdlich auszulasten und durch gleichzeitiges Erlernen des Handlings eines jagenden Hundes den Halter zu schulen und zu unterstützen. 

 

So kann eine Minderung des Jagdverhaltens beim Hund erreicht werden, jedoch keine gänzliche Auslöschung dieses Verhaltens. 

 

Der verbreitete Begriff „Antijagd-Training“ ist hier in meinen Augen absolut irreführend für Hundehalter und sollte vielmehr als „Alternativen zum Jagdverhalten“ oder „Jagdersatzhandlungstraining“ betitelt werden.

Die Dummy-Arbeit als geeignetes Jagdersatztraining
Die Dummy-Arbeit als geeignetes Jagdersatztraining

 

Tipps für das Training mit einem jagdlich ambitionierten Hund

 

·      Lernen Sie den Umgang mit der Schleppleine

Zu Beginn des Trainings muss unbedingt sichergestellt werden, dass Ihr Hund keinen Jagdausflug mehr machen kann. Hier eignet sich die Benutzung einer Schleppleine. Sie bietet Ihnen die Möglichkeit Ihren Hund im Notfall zu kontrollieren und erlaubt dabei Ihrem Vierbeiner einen angenehm großen Bewegungsradius.

 

·      Beobachten Sie Ihren Hund genau

Als Halter eines jagdlich ambitionierten Hundes müssen Sie lernen, jede noch so kleine Veränderung im Verhalten oder Ausdruck Ihres Vierbeiners lesen und erkennen zu können. Mit etwas Training werden Sie schnell wissen, wann Sie einschreiten müssen, damit Ihr Hund nicht in den Jagdmodus fällt. Hier bietet sich eine Vielzahl von alternativen Verhaltensweisen an, wie bspw. kurze Trainings- oder Spieleinheiten.

 

·      Wurfspiele sind keine Lösung

Vermeiden Sie Spiele mit Bällen, Frisbees, Stöckchen oder anderen Wurfgegenständen. Abgesehen von dem enormen Suchtpotential solcher Spiele löst das Hinterherjagen eines Balles beim Hund einen sehr starken Hetztrieb aus, der Gefahr läuft generalisiert zu werden. Eine Generalisierung in diesem Fall würde bedeuten, dass sich der Hetztrieb auf andere sich bewegende Objekte oder sogar Personen ausweitet. All dies ist absolut kontraproduktiv zum eigentlichen Trainingsziel.

 

·      Nasenarbeit ist gefragt

Anstelle der Wurfspiele eignet sich die Nasenarbeit hervorragend, um den Hund jagdlich alternativ auszulasten. Unzählige Möglichkeiten bieten in diesem Bereich für jeden Hundehalter passende Übungen. Vom einfachen Leckerli-Verstecken, über die Fährtensuche bis hin zum Mantrailling oder der Dummy-Arbeit - hier findet jedes Hund-Halter-Team seinen Spaß. Nebenbei stärkt solch eine Teamarbeit die Bindung und bringt Hund und Halter noch näher zusammen.

 

Ein gut aufgebautes Training kann Ihrem Hund helfen, seine jagdlichen Instinkte in einem Maß auszuleben, mit dem auch Sie als Halter gut zurechtkommen. Es stärkt die Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Hund und verhilft ihnen Beiden wieder zu mehr Freude an Spaziergängen und damit zu mehr Lebensqualität.

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