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Spaziergang mit Hund - Ein sonderbares Schauspiel

Ein neuer Tag bricht an und das Spiel beginnt wieder von Neuem. Vor allem in den Morgenstunden zwischen „Kinder in Schule oder Kita bringen“ oder Arbeitsbeginn und am späten Nachmittag sind die Straßen und Wege voll von ihnen – den Gassigängern.

 

Und täglich grüßt das Murmeltier“...

 

… könnte man sagen. Hundehalter wissen, was ich damit meine. Jeden Tag wiederholt sich das Schauspiel von Neuem.

 

Langweilig, denken Sie? Ganz im Gegenteil!

 

Es lohnt sich, einmal einen genaueren Blick darauf zu werfen.

 

Hier können wir zum einen die Hundehalter im Nordic-Walking-Modus antreffen. Sie sind daran zu erkennen, dass sie stets so wirken, als wären Sie in unglaublicher Eile. Oft mit einem Gesichtsausdruck der absoluten Ungeduld, da der Hund leider nicht auf Knopfdruck sein Geschäft verrichten kann. Wenn Sie dann an uns vorbeihasten, bleibt meist nur ein leichter Windhauch zurück, manchmal vielleicht noch mit einer Prise Hundekotaroma des hinterherfliegenden Vierbeiners.

Doch weiter geht es. Es gibt noch so viel zu entdecken. Beispielsweise die Social-Media-Fraktion. Ich glaube, Sie wissen bereits, wen ich meine. Diese Kategorie der Gassigänger ist am einfachsten zu erkennen. Sie bewegen sich zwar nicht so schnell wie die Nordic-Walking-Fraktion, aber mit dem Blick stets auf das Smartphone geheftet, kann diese Hundehalter nicht mal ein wild klingelndes und rufendes Profiteam der Tour de France dazu bringen, ihren „Kurs“ zu verlassen.

Mit Gewissheit erhaschen wir auf unserem Weg auch einen Blick auf die Klatsch-und-Tratsch-Freunde der Hundehalter. Hierzu sei gesagt, dass es sich dabei um die kontaktfreudigste Kategorie der Gassigänger handelt. Häufig daran zu erkennen, dass andere Hundehalter eine Art Slalomlauf um die kleinen bis größeren Grüppchen der Klatsch-und-Tratsch-Fraktion bewältigen müssen. Handelt es sich um ein gut besuchtes Treffen dieser Gruppe, tritt der eine oder andere Hundehalter sogar lieber den Rückzug an.

Am Nachmittag, wenn der schlimmste Stress des Alltags bewältigt scheint, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung mit einer weiteren Kategorie der Gassigänger, den Fleißbildchen-Sammlern. Zielstrebig gehen sie ihres Weges, die Aufmerksamkeit stets auf die Umgebung gerichtet, um keine der vielen sich bietenden Trainingsmöglichkeiten zu übersehen. In Hundeschulenperfektion werden von „Bello“ nun alle bereits erlernten Kommandos und Übungen verlangt und mehrmals durchgespielt. Sollten Sie dieser Fraktion auf Ihrem täglichen Spaziergang über den Weg laufen, gibt es hier nur eine Verhaltensmöglichkeit: Zügig am Hindernis vorbeigehen und auf gar keinen Fall auf die Idee kommen, einen Kommentar zu den Trainigsmethoden abzugeben. Schnell haben Sie sonst keinen entspannten Spaziergang mehr, sondern versuchen stattdessen mit Ihrem Hund ein Wettrennen nach Hause auszutragen.

 

Sie sehen also, ein Blick in dieses tägliche Schauspiel vor unseren Haustüren ist alles andere als langweilig.

 

Doch was haben all diese Kategorien von Gassigängern gemeinsam?

 

Keiner schenkt dem anderen Ende der Leine, nämlich seinem eigenen Hund, echte Aufmerksamkeit.

 

Aber der Fleißbildchen-Sammler trainiert doch konzentriert mit seinem Hund, kontern Sie jetzt?

 

Ich stimme Ihnen zu. Ein gutes dem Hund angepasstes Training ist immer lohnenswert und sinnvoll, aber leider sind viele Anhänger dieser Fraktion zu sehr damit beschäftigt, alle Kommandos und Übungen über die Maßen perfekt zu absolvieren. Das hat jedoch zur Folge, dass ihnen der Blick für das Wesentliche abhandenkommt. Nämlich das Wohlbefinden ihres geliebten Vierbeiners.

 

Ich denke, jeder von uns Hundehaltern konnte sich schon einmal in eine dieser Kategorien einordnen. Umso wichtiger ist es, darüber nachzudenken, wie sich wohl unsere Hunde dabei fühlen.

 

In vielen Fällen agieren sie während der Spaziergänge nur noch als Anhängsel, dabei sind sie doch der eigentliche Grund, warum wir uns bei Wind und Wetter ins Freie begeben.

 

Lassen Sie uns beim nächsten Spaziergang gemeinsam einen Gang zurückschalten und nur für diese, wenn auch kurze Zeit, im Hier und Jetzt leben. Genießen wir unsere spielenden, vor Glück sabbernden, wedelnden, umherspringenden, Düfte einsaugenden Vierbeiner mit vollem Bewusstsein. Schenken wir Ihnen unsere ganze Aufmerksamkeit und lassen uns von ihrem Glück einhüllen.

Das hilft uns nicht nur, den grauen Alltag kurz aus unseren Gedanken zu verbannen, sondern stärkt im Gegenzug auch noch die Hund-Halter-Bindung enorm.

 

Wie Sie den Hundespaziergang, ohne großen Aufwand, zu einem Erlebnis für sich und Ihren Hund machen, erkläre ich in meinem nächsten Blog.

 

Bis dahin wünsche ich Ihnen und Ihrem Vierbeiner viele freudige und vor allem gemeinsame“ Spaziergänge.

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